Bei letzten Mal haben wir uns bei Gustav getroffen. Mit nur 5 Teilnehmern waren wir eine sehr kleine Gruppe. Dass die Abwesenden nicht nur gut Stimmung, bei gleichzeitig hoher Konzentration, nicht zu versessen, ein spannendes Tasting verpasst haben, muss eigentlich nicht erwähnt werden. Dennoch ist eine Zusammenfassung der Tastingnotizen unten zu finden. Erwähnung finden sollte, dass der Abend wieder schön vorbereitet und durchgeführt wurde.

Aber nun zu unseren, Eindrücken unter dem Motto “Günstig aber gut?“:


1. Arran Robert Burns Single Malt

NAS | 43% | Distillery: Arran (Lochranza) | Region: Islands

Der Arran erwies sich als der harmonische Liebling des Abends. Die Nase wurde als sehr vielschichtig beschrieben: Süße Himbeeren und Stachelbeeren trafen auf Apfel, Mandarine und Birne sowie eine Spur Getreide und Gras. Am Gaumen zeigte er sich malzig und süß mit Citrusnoten. Einer empfand ihn als angenehm mild, während ein anderer auch herbe Holznoten und eine leichte Schärfe wahrnahm. Der Abgang war eher kurz, aber sehr gefällig.

• Ø Schulnote: 2,0
• Median-Bewertung: 75,0 %
• Fazit: Ein „angenehmer Whisky“, der fast jedem schmeckte.

2. Singleton of Dufftown Malt Master’s Selection

NAS | 40% | Distillery: Dufftown | Region: Speyside

Ein klassischer Speysider, der vor allem durch seine Fruchtigkeit punktete. Es wurden Vanille und Karamell gerochen, Malz und Orange ergänzt, während jemand sogar Banane ausmachte. Im Geschmack wurde er als weich und gefällig beschrieben, allerdings bemerkte jemand eine „leicht künstliche Kaugummi-Note“. Außerdem war es so, dass der Whisky sich mit jedem Schluck „aufbaut“, auch wenn der Abgang eher kurz und trocken ausfiel.

  • Ø Schulnote: 2,7
  • Median-Bewertung: 70,0 %
  • Fazit: Ein süffiger „Easy Drinker“, dem es hintenraus etwas an Volumen fehlt.

3. Tomatin Legacy

NAS | 43% | Distillery: Tomatin | Region: Highland

Dieser Dram spaltete die Gemüter. Die Aromen reichten von Erdbeermarmelade über Harz und Kräuter bis hin zu Zitronenschale und rotem Pfeffer. Außerdem wurde eine markante „modrige“ Note wahrgenomme, die sowohl „interessant“ als auch eher kritisch bewertet wurde. Jemand lobte die Komplexität mit Zimt und Johannisbeere. Am Gaumen zeigte er sich heiß und würzig mit einem adstringierenden Finish.

  • Ø Schulnote: 2,6
  • Median-Bewertung: 76,0 %
  • Fazit: Komplex und eigenwillig – nichts für zwischendurch, man muss sich auf ihn einlassen.

4. Glenmorangie Triple Cask Reserve

NAS | 40% | Distillery: Glenmorangie | Region: Highland

Die neue Reserve-Abfüllung hatte einen schweren Stand. Einer assoziierte Korken und modrige Noten, während weitere eher Nuss, Toffee und dezente Orange fanden. Noch jemand bemerkte Grapefruit und einen Hauch Minze, empfand den Whisky aber als „nicht rund“. Mehrere Teilnehmer kritisierten eine deutliche Bitternote im Abgang, die an Wermut oder Walnuss erinnerte.

  • Ø Schulnote: 3,2
  • Median-Bewertung: 66,0 %
  • Fazit: Ein eher holzbetonter Highland-Malt, der die Runde nicht ganz überzeugen konnte.

5. Bowmore 9 Jahre

9 Jahre | 40% | Distillery: Bowmore | Region: Islay

Der erste Islay-Vertreter brachte den erhofften Rauch, gepaart mit Sherry-Süße. Die Beschreibungen waren hier besonders bildhaft: Medizinischer Rauch, Ziegenkäse und kalte Asche. Während einer den Rauch gut eingebunden fand, empfand ein anderer ihn als etwas „uninspiriert“. Außerdem wurde die cremige Textur und die Kombination aus Zitronenschale und Vanille gelobt.

  • Ø Schulnote: 3,2
  • Median-Bewertung: 60,0 %
  • Fazit: Ein solider Bowmore mit Ecken und Kanten, der aber nicht jeden „flashen“ konnte.

6. Islay Storm

NAS | 40% | Abfüller: C.S. James & Sons | Region: Islay

Der „Sturm“ sorgte für die größte Notenspanne (von 1 bis 5). Einer war begeistert von der Cranberryschokolade und der würzigen Finesse. Ein anderer fand Eukalyptusbonbon und Meeresbrise in der Nase. Noch jemand hatte hingegen „etwas Aggressiveres“ erwartet und fand ihn eher süß und zahm. Desweiteren konnte jemand dem rauchig-weichen Profil wenig abgewinnen, während ein weiterer eine medizinisch-salzige Note mit anhaltender Bitterkeit beschrieb.

  • Ø Schulnote: 3,2
  • Median-Bewertung: 65,0 %
  • Fazit: Ein polarisierender Islay-Malt, der vor allem bei Mario einen bleibenden Eindruck hinterließ.

Das Ranking des Abends im Überblick

Whisky

Durchschnittsnote

Median %-Bewertung

Arran Robert Burns

2,0

75,0 %

Tomatin Legacy

2,6

76,0 %

Singleton of Dufftown

2,7

70,0 %

Islay Storm

3,2

65,0 %

Glenmorangie Triple Cask

3,2

66,0 %

Bowmore 9 Jahre

3,2

60,0 %

Der Arran Robert Burns ist damit der klare Sieger nach Schulnoten, während der Tomatin Legacy in der prozentualen Beliebtheit hauchdünn vorne liegt.

Fazit des Abends

Die gute Nachricht zuerst: Man muss kein Vermögen ausgeben, um einen wirklich guten Dram im Glas zu haben. Der Arran Robert Burns hat an diesem Abend eindrucksvoll bewiesen, dass ein günstiger Single Malt (oft unter 30 €) die gesamte Runde begeistern kann. Mit einer Durchschnittsnote von 2,0 zeigt er, dass Balance und fruchtige Eleganz nicht teuer sein müssen. Er ist der Inbegriff des Mottos und schlägt teils deutlich teurere Konkurrenten durch seine Unkompliziertheit. Dies war natürlich nur eine Auswahl und eine reduzierte Teilnehmerzahl. Ich bin gespannt auf das nächste Mal, wenn wir einerseits blind verkosten werden und andererseits (hoffentlich) wieder mehr und damit vermutlich andere Meinungen haben werden.

Slàinte mhath

Euer Whisky Werner